Förderpreis für Lehre 2016

Förderpreis für Lehre 2016

 

Einen der diesjährigen Förderpreise für Lehre erhält Prof. Dr. med. Christian Junghanß, seit 2012 Professor für Hämatologie und Onkologie an der Universität Rostock. Heiner Kolp hat sich mit ihm über die Bedeutung des Preises, den aktuellen Stand der Lehre an der medizinischen Fakultät sowie seine Visionen unterhalten.

 

Als erste Frage hätte ich: Haben Sie damit gerechnet, diesen Preis zu bekommen?

Nein, überhaupt nicht, aber ich bin extrem erfreut, dass meine Lehre so honoriert wird.

Welche Bedeutung hat dieser Preis für Sie?

Ich glaube, der Preis unterstreicht, dass es sehr sinnvoll ist, Zeit in gute Lehre zu investieren. Neben der Tatsache, dass wir durch eine gute Lehre sehr gut ausgebildete Studenten haben, die mit Freude zu den Lehrveranstaltungen kommen, glaube ich auch, dass dieser Preis Signalwirkung haben kann – für andere Lehrende und über die Region hinaus. Er ist ja auch außerhalb der Universität sichtbar. Deswegen ist der Preis einerseits so sinnvoll und andererseits bin ich so sehr erfreut über die Verleihung.
Es ist auch sehr motivierend für die eigene Person, da weiterzumachen, wo man jetzt steht, und neue Dinge zu versuchen.

Als etwas kritische Frage: Wie schätzen Sie die Entwicklung der Lehre in der Universitätsmedizin Rostock ein?

Ich kann natürlich nicht alle Bereiche beurteilen. Dies könnte ich nur beurteilen, wenn ich mir die Gesamtvergleiche anschaue. Ich glaube, dass es Bereiche gibt, die sich stark verbessert haben.
Die klinische Ausbildung ist sicher weiterhin ein „Problembereich“. Die Vorklinik hat sich ja in der Struktur der Ausbildung vergleichsweise wenig verändert. Dies ist in der klinischen Ausbildung anders und es gibt viele Aspekte, die eine Rolle spielen.
Wir haben Bereiche, in denen es starken Personalmangel gibt. Dieser betrifft alle Ebenen, also auch den Bereich der Fachärzte, die Seminare leiten könnten, dann die Dozentenebene – eben alle Bereiche. Besonders im Bereich der klinischen Versorgung haben wir gehäuft Personalmangel und wir haben eine zunehmende Einbindung der Professoren in die klinische Versorgung oder in andere Aufgaben. Wir sollten daher schauen, dass der Lehrkörper weiter gestärkt wird und diese Aufgaben wahrgenommen werden können. Das ist für kleine Fächer manchmal schwierig, oft noch schwieriger als für große. Wenn man beispielsweise einen Bereich verantwortet, der nur über drei Mitarbeiter verfügt und zwei davon krank oder anders eingebunden sind, dann hat man natürlich ein Problem. Da müssen wir uns auch neue Konstrukte überlegen.
Wenn ich das jetzt mal so rückblickend betrachte, dann glaube ich, dass wir insgesamt über den Horizont von zehn Jahren deutlich besser geworden sind. Wir haben einen jüngeren, oder vielleicht besser formuliert „gemischteren“ Lehrkörper bekommen, der neue Lehrmethoden kennt und auch anwendet.
Neben diesen Veränderungen haben wir uns auch strukturell weiterentwickelt, im Sinne dessen, wie das Studium aufgebaut ist. Manche Aspekte davon finde ich gut, wie zum Beispiel den zunehmenden Stellenwert der Kommunikation in der studentischen Ausbildung. Andere Veränderungen haben meiner Meinung nach zu stark Einzug gehalten, also zum Beispiel, dass die Propädeutik zu stark zeitlich konzentriert gelehrt und die Vorlesungszeit im Bereich der Inneren Medizin auf ein Jahr eingeschränkt wurde. Das ist für so ein wichtiges Fach nicht sinnvoll gewesen, wenn man betrachtet, wie viele internistisch geprägte Fragen später im Staatsexamen auftauchen, aber auch, wie sich das Fach in der klinischen Bedeutung widerspiegelt. Da sind viele wichtige Fingerfertigkeiten zu erlernen.
Andere klinische Bereiche, wie zum Beispiel die Schulung des differentialdiagnostischen Denkens – gerne auch interdisziplinär –, würde ich mir mehr wünschen. Ich glaube aber auch, dass viele Highlights schon in Planung sind, so zum Beispiel das neue BIOMEDICUM-Gebäude, wo wir auch spezielle Lehrräume einrichten werden. Das wird uns voranbringen, da bin ich mir sehr sicher.

Was sind Ihre Ziele für die kommenden Jahre?

Meine Ziele sind eigentlich, dass ich weiterhin die praktischen Fähigkeiten zur Lehre den jungen Mitarbeitern meiner Klinik an die Hand gebe, so dass sie gut bis hervorragend Lehren. Das machen sie schon zum Teil, aber ich möchte auch, dass sie sich weiter entlang dieses Ziels entwickeln und vermehrt eigene Ideen einbringen, damit wir auch in der Lage sind, noch mehr Lehrveranstaltungen anzubieten, von denen die eine oder andere vielleicht ein Highlight im Gesamtkonzert der Rostocker Lehrveranstaltungen wird. Vermehrt wollen wir uns auch interdisziplinär einbringen.
Konkret ist bereits eine Lehrveranstaltung, die ich bald einführen werden: das Simulationsmodul „Blutbildinterpretation und Laborbildkonstellation“, wo wir alltägliche klinische Fähigkeit mit den Studenten üben wollen. Ich glaube, das wird interaktiv und sehr gut.
Ich persönlich bin sehr stolz darauf, dass wir im Bereich Palliativmedizin das höchste Lehrdeputat in ganz Deutschland haben. Da schauen die Leute auch national zu uns auf. Die Kommunikationsübungen, der Palli-Pieper… das sind alles Dinge, die besonders sind, die auch andere, finanziell und personell viel besser ausgestattete Universitäten gar nicht haben. Jetzt will ich der Blutbildinterpretation und der hämatologischen Komplexwoche noch mehr Leben einhauchen.
Generell würde ich mich freuen – und das strebe ich auch an –, wenn wir es in den kommenden Jahre vermehrt schafften, unsere Studenten zu einem „typischen Rostocker Student/Arzt“ auszubilden – mit klassischen, aber auch speziell und betont in Rostock gelehrten Fähigkeiten. Während meines Studiums war ich im PJ in New York und da gab es junge Assistenzärzte, von denen man gleich aufgrund ihrer Grundfähigkeiten sagen konnte, wo sie ausgebildet wurden: klassischer „Brownie“, John-Hopkins University, Stanford-Absolvent etc. Ich möchte, dass auch wir Studenten ausbilden, bei denen man später sagt: „Typisch Rostocker“. Mit unserer intensivierten Ausbildung im Bereich Palliativmedizin sind wir schon gut dabei und das möchte ich auch gerne auf andere Aspekte erweitern.
Ein weiterer Punkt, den ich in diesem Zusammenhang einmal deutlich sagen möchte, ist die Tatsache, dass wir sehr stolz auf unsere Studenten an der UMR sind! Wenn ich da nur an die Palliativvorlesungen im fünften Semester denke, wo beim Angehörigeninterview spontan aus dem Semester heraus Blumen überreicht wurden…

Haben Sie spontan eine Idee, wie Sie das Preisgeld verwenden?

(lacht) Nein, das weiß ich noch nicht. Man könnte ja… nein. Weiß ich noch nicht. Aber mit Sicherheit für etwas Sinnvolles.

Am Ende zwei scherzhafte Fragen: Haben Sie Haustiere?

Wir haben keine Haustiere mehr, hatten aber mal Meerschweinchen.

Und wir vertreten ja auch die Medizinischen Biotechnologen, deshalb die Frage: Hätten Sie gerne MBT studiert, wenn sich für Sie die Möglichkeit ergeben hätte?

Für mich nein, weil mir klar war, dass ich immer mit Patienten arbeiten möchte und deshalb wäre MBT für mich nicht der passende Studiengang gewesen.

 

 

Die offizielle Bekanntgabe auf der Website der Universität Rostock ist hier zu finden.