Offener Brief zur familienfreundlichen Hochschule

Offener Brief zur familienfreundlichen Hochschule

Liebe Studierende,

aus aktuellem Anlass möchten wir euch an dieser Stelle den zur Verfügung stellen. Sofern ihr Fragen, Anregungen oder Ideen habt bringt euch gerne ein unter studis.familie@asta-rostock.de oder fachschaft-medizin@uni-rostock.de

Hier der Artikel (so auch im Heuler erschienen)

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. med. Schareck (Rektor)
Sehr geehrter Herr Tamm (Kanzler)
Sehr geehrte Prorektorin und Prorektoren,
Sehr geehrte Mitglieder des Konzils,
Sehr geehrte Mitglieder des Senats,
Sehr geehrte Mitglieder der Dekanate,
Sehr geehrte Dozentinnen und Dozenten,
Sehr geehrte Mitglieder der Universitätsverwaltung,
Sehr geehrter Herr Zepf (Direktor UB),
Sehr geehrte Frau Bähker (Stellvertretende Direktorin UB),
Sehr geehrte Fachschaftsräte,
Liebe Studierenden der Universität Rostock,

es ist noch Luft nach oben! Die Universität Rostock trägt stolz und selbstbewusst das Siegel der familienfreundlichen Hochschule. Ein erstrebenswertes Ziel für jede Bildungseinrichtung, sowie auch gesellschaftspolitisch überfällig. Unsere Hochschule befindet sich zurzeit im Re-Auditierungsverfahren zur Familienfreundlichen Hochschule. Kommendes Jahr soll im Juni das Zertifikat übergeben werden. Die Studierendenschaft ist über Ihre Vertretungen an der Erarbeitung der neuen Zielvereinbarung beteiligt gewesen. Allerdings musste der Prozess der Re-Auditierung, wegen Stellenstreichungen, um ein halbes Jahr verschoben und nun mit enormem Zeitdruck durchgeführt werden.
20160617_160148Dies hat u.a. dazu geführt, dass die Zielvereinbarungen bewusst niedriger angesetzt wurden, damit diese vom Rektorat unterschrieben werden kann. Weitere Verzögerungen sind nicht mehr möglich. Wir als Studierendenschaft finden diese Verfahrensweise nicht lobenswert. Sicher gibt es Ziele und Maßnahmen in der neuen Vereinbarung die erfreulich sind (so stehen Studierende diesmal mehr im Mittelpunkt), dennoch gibt es immer noch Strukturen, die ein Studium mit Kind(ern) enorm erschweren.
Aus der Sicht von Studierenden mit Kindern ist es immer wieder ein Drahtseilakt, Studium und Familie unter einen Hut zu bekommen. Insbesondere wenn es sich um Alleinerziehende und/oder Familien mit mehreren Kindern handelt. Hier sind Ausfallzeiten durch Krankheit und Schließzeiten der Betreuungseinrichtungen/Ferien besonders schwer auszugleichen. Ferner ist es für eben genannte Gruppe von Betroffenen nicht zu stemmen, Veranstaltungszeiten außerhalb der Betreuungszeiten (Veranstaltungen die am Wochenende stattfinden oder um 17:00 Uhr beginnen) zu besuchen. Das mindeste wäre es doch, wenigstens die Prüfungen zu den Betreuungszeiten und nicht in den Schulferien und Kitaschließzeiten stattfinden zu lassen.
Was in den Zielvereinbarungen völlig fehlt ist die Schaffung von Betreuungsplätzen durch eine universitätseigene Kita mit Randzeitenbetreuung, wie es sie auch an anderen Hochschulstandorten gibt. Dieses Ziel wurde nicht aufgestellt, da die Umsetzung nicht erreichbar scheint. Wir geben uns damit nicht zufrieden! Dieser Punkt wird weiter auf der Liste unserer Forderungen ganz oben stehen.
Außerdem ist es dringend nötig, Regelungen zu schaffen auf die man sich verlassen kann. Zwar gibt es nun die neue Zielvereinbarung der Hochschule, die aber aufgrund ihrer Gültigkeit für alle Fakultäten und Fachbereiche allgemeinen Floskeln, wie „nach Möglichkeit“ oder „möglichst“ beinhaltet. Es braucht konkrete Vereinbarungen an den Fakultäten, besser noch in den Instituten, damit Studierende nicht mehr auf das Wohlwollen der Dozierenden angewiesen sind. Sehr lobenswert ist die Idee zu einem Familienbüro als zentrale Anlauf- und Beratungsstelle auch für Studierende mit Familien- und Pflegeaufgaben. Der Universität sollte aber klar sein, dass dieses Büro Stellen braucht und keine Nebentätigkeit von vorhandenem Personal sein darf.
Grundsätzlich ist es verständlich, dass es Bereiche gibt in denen eine Anwesenheit notwendig ist. Dennoch sollte geprüft werden, ob immer das hohe Maß notwendig ist, wie es gefordert wird. Ferner sollten anwesenheitspflichtige Veranstaltungen flexibler gestaltet und Möglichkeiten geschaffen werden, um Fehlstunden rechtzeitig (vor den Prüfungen) nachzuholen. Damit so harte Konsequenzen, wie es sie z.B. in einigen Bereichen der Medizin gibt entfallen. Es ist eine enorme Erleichterung, wenn die Seminarliteratur z.B. bei Stud.ip online steht. Das ist nicht immer der Fall, obwohl es einem den Weg in die Bibliothek und die dort verbrachte Zeit vor dem Scanner/Kopierer ersparen würde. Zusätzlich wäre viel erreicht, wenn die Bibliotheken, als Arbeits- und Studienorte früher öffnen würden, da die Zeit zwischen Schulbeginn und Öffnung der UB für Familien mit schulpflichtigen Kindern oft tote Zeit ist. Damit würde sich vielleicht auch der Andrang zu Prüfungszeiten etwas entspannen. Wir wünschen uns bei bestehenden und besonders bei zukünftigen Unigebäuden die Bedürfnisse von Studierenden mit Familien- und Pflegeaufgaben zu berücksichtigen. Dazu gehört ein barrierefreier Zugang zu ALLEN Einrichtungen der Hochschule und für alle zugängliche Wickel-/Stillmöglichkeiten, bestenfalls K.E.S.S.-Zimmer (Kind-Eltern-Spiel-Studier-Zimmer) auf jedem Campus. Uns ist bewusst, dass nicht alle unsere Wünsche sofort umgesetzt werden können. Dennoch ist es uns wichtig, unser Ziel, jedem und jeder ein Studium zugänglich zu machen, nicht aus den Augen zu verlieren, weil es nach Meinung mancher vielleicht nicht erreichbar ist. Selbstverständlich muss hier von einem Kulturwandel gesprochen werden. Aber die Strukturen die sich ändern müssen, können wir schon heute benennen und verbessern.

Als kleinen Beitrag von unserer Seite möchten wir an dieser Stelle noch anfügen:

DSCN2720Wir als Fachschaft Medizin finden, dass im Rahmen der Familienfreundlichkeit schon einige gute Schritte in die richtige Richtung gemacht wurden. So gibt es mittlerweile einen internen Mutterschutzpass der mit einer individuellen Beratung durch den betriebsärztlichen Dienst verbunden ist. Das Studiendekanat hat einen  Informationsflyer mit wichtigen AnsprechpartnerInnen entworfen, dieser liegt in der Mediathek und im Studiendekanat aus, und natürlich findet ihr alle Infos auch auf der Homepage des Studiendekanats.
Euer Fachschaftsrat veranstaltet auch im kommenden Semester wieder ein Elterntreffen um euch die Möglichkeit zu geben, euch untereinander kennenzulernen und Fragen offen anzusprechen. Außerdem arbeiten wir aktuell an der Umsetzung von mehr Wickelmöglichkeiten an der UMR, um die Infrastruktur für Studierende mit Kind zu verbessern. Wir hoffen dass wir euch so bei der Umsetzung eures Studiums unterstützen können und stehen für persönliche Fragen/Beratung gerne zur Verfügung.