TdD 2016 med. Psychologie & Soziologie

TdD 2016 med. Psychologie & Soziologie

Im Gespräch mit Prof. Dr. Peter Kropp, seit 2005 Institutsdirektor für die Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie. Die folgenden Fragen wurden von Studierenden der Humanmedizin in Vorbereitung auf den Tag des  Dialoges 2016 gesammelt.
FSR: Sehen Sie eine Möglichkeit, die Abgabezeitpunkte der Seminararbeiten  im kommenden Wintersemester in die Zeit nach den Histologietestaten (meist in der ersten Dezemberwoche) zu verlegen? Dies könnte aus der Studierenden zu besseren Ergebnissen in beiden Bereichen führen.
Prof. Kropp: Wir benötigen etwa 14 Tage, um Ihre Arbeiten auszuwerten. Da ein Seminartermin, möglichst vor den im Januar stattfindenden Praktika in Biochemie und Physiologie, der Auswertung und Reflexion dient, ist ein späterer Abgabetermin leider nicht realisierbar.Wir verzichten mittlerweile auf die verpflichtenden Arztinterviews, die bis dato von allen Studierenden durchgeführt werden mussten. Die Anforderungen  an die verbleibende Sozialanamnese eines älteren Menschen werden zu Beginn ersten Semesters kommuniziert, sodass Ihnen bis zum Winter des dritten Semesters ausreichend Zeit für die Aufgabe bleibt.
FSR: Einige Studierende haben uns gefragt, welches Ziel Sie mit einer dritten Klausur – der Abschlussklausur im vierten Semester – verfolgen. Reichen zwei Klausuren nicht aus, um den Lernstand der Studierenden einzuschätzen?
Prof. Kropp: Aus unserer Erfahrung in den letzten Jahren profitieren die Studierenden von einer umfassenden Prüfung des Fachgebietes in zeitlicher Nähe zum ersten Staatsexamen. Die Abschlussklausur dient also der gezielten Vorbereitung auf das Physikum. Übrigens: Wer im Examen alle 60 Fragen der Medizinischen Psychologie & Medizinischen Soziologie richtig beantwortet, hat etwa bereits 1/3 der zum bestehen notwendigen Punkte sicher. Es lohnt sich also auch für die Studierenden, hier besonders viel Zeit und Mühe zu investieren.
FSR: Wie findet aktuell die Koordination der Klausuren, Testate und anderen Prüfungen statt? Es habe in Vergangenheit Überschneidungen mit Leistungskontrollen anderer Fächer gegeben – diese Belastungsspitzen wären vermutlich durch bessere Absprachen zu vermeiden.
Prof. Kropp: Auf der Stundenplankonferenz, die in jedem Semester stattfindet, werden die großen Klausuren, Prüfungen und Wiederholungsklausuren gemeinsam mit dem Studiendekanat, den vorklinischen Instituten und mit Vertretern der Studierendenschaft koordiniert und in den Stundenplan eingebaut. Auf dieser Ebene sollte es somit nicht zu Überschneidungen kommen.
Die Testattermine werden von Seminarleitern in Absprache mit den Studierenden festgelegt. Wenn es in der Vergangenheit zu den beschriebenen Belastungsspitzen gekommen sein sollte, ist dies bedauerlich. Wir versuchen unsere Termine wie ausgeführt transparent und studierendenorientiert zu planen. Ein Versprechen, dass die Überschneidungen in Zukunft gänzlich vermieden werden können, kann ich an dieser Stelle jedoch nicht abgeben.
FSR: Die Studierenden, die erst im dritten Semester ihre Seminare erhalten, fühlen sich zum Teil ungleich behandelt, da sie in der Soziologieklausur noch nicht auf das Seminarwissen zurückgreifen können. Dazu kommen die veränderten Rahmenbedingungen durch die im dritten Semester neu dazukommenden Fächer Biochemie & Physiologie. Gibt es Ansätze, wie dies in Zukunft vergleichbarer geregelt werden könnte? Von den Studierenden vorgeschlagen wurde z.B. die Durchführung der Seminare für alle Studierenden im zweiten Semester.
Prof. Kropp: Wir nehmen die erhöhte Belastung der Studierenden im dritten Semester wahr und versuchen dieser, u.A. durch die partizipative Testatplanung, Rechnung zu tragen. Die von Ihnen vorgeschlagenen Änderungen im Stundenplan würden unser Institut jedoch vor nicht lösbare strukturelle und personaltechnische Herausforderungen stellen. Es stehen uns nicht ausreichend Ressourcen zur Verfügung, um halbjährlich doppelte Raum- und Personalkapazitäten vorzuhalten. Zudem ergäben sich Probleme mit Ihrem Stundenplan – es finden sich auch dort nicht ausreichend freie Zeitkorridore für Seminardauer und nötigen Übergangszeiten.
FSR: Welche Faktoren führen zum aktuell als sehr umfangreich empfundenen zeitlichen Pensum, welches für die  medizinische Psychologie & Soziologie bewältigt werden muss? Neben der Vorlesung und dem Seminar gibt es Exkursion, Symposium am Wochenende, sowie ein Interview mit Hausarbeit. Ein Vorschlag der Studierenden: Die Interviews ausschließlich mündlich im Seminar auswerten, um den Vorbereitungsaufwand etwas zu reduzieren.
Prof. Kropp: Unser Lehrangebot orientiert sich an dem Gegenstandskatalog und an der Kapazitätsverordnung für das Medizinstudium. Um Ihnen den biopsychosozialen Charakter des medizinischen Handelns näher zu bringen, haben wir uns für die derzeitig abwechslungsreiche Gestaltung entschieden. Zu Ihrem Vorschlag: Für eine mündliche Auswertung der Interviews aller Teilnehmer bietet das Seminar leider nicht den passenden zeitlichen Rahmen. Wenn pro Seminarteilnehmer auch nur 10 Minuten (was in der Bearbeitungstiefe sicherlich nicht der schriftlichen Auseinandersetzung gleichkäme) veranschlagt würden, müsste mindestens ein weiterer Termin angesetzt werden. Ich bitte daher um Ihr Verständnis für die Beibehaltung der bisherigen Vorgehensweise.
FSR: Zum Ende noch eine Frage zur variierenden interindividuellen Arbeitslast im Seminar: Im Extremfall stünden fünf Minuten Kurzvortrag im Seminar der Gestaltung eines sechsstündigen Symposiums gegenüber. Wie positionieren sie sich gegenüber dieser Einschätzung?
Prof. Kropp: Die höhere Arbeitslast beim Symposium wird bei der Planung berücksichtigt, der Umfang wird daher auch auf mehrere Schultern und auf fünf Seminargruppen verteilt. Die isolierte Betrachtung der Vortragszeit scheint mir zudem nicht geeignet, um den im Vorfeld geleisteten Aufwand abzuschätzen. Nach meiner Einschätzung sind die Vorbereitungszeiten für einen qualitativ ansprechenden Kurzvortrag im Seminar mit dem anteilig zum Symposium zu leistenden Aufwand vergleichbar.
FSR: Möchten Sie noch etwas an die Studierenden herantragen?
Prof. Kropp: Wir würden uns freuen, wenn unsere Bemühungen für die Lehre zukünftig homogener in den unterschiedlichen Evaluationen berücksichtigt werden. Aktuell gibt es große Abweichungen zwischen den Ergebnissen unserer eigenen Evaluation am Seminarende und der später erfolgenden Evasys-Evaluation.
Außerdem möchte ich allen Studierenden raten, neben dem Studium regelmäßig Aktivitäten zu unternehmen, die nichts mit dem eigentlichen Studieren zu tun haben. Beispielsweise Sport, Tanzen oder andere anregende Tätigkeiten. Lernen besteht aus der Konzentration auf den Stoff und aus einer bewussten Distanzierung davon, was man ganz einfach beispielsweise durch Joggen danach erreichen kann. Wenn Sie zuviel lernen, entstehen Interferenz- und Hemmungseffekte, die den Lernerfolg vermindern.
FSR:  Vielen Dank für Ihre Zeit.
Das Gespräch führte Fachschaftsratmitglied Hans